Ciba Noir inszeniert das Fotopapier Cibachrome mit seinen einmaligen Eigenschaften. Vor einer reflektierenden Silberschicht trägt Cibachrome (oder Ilfochrome) mehrere Farbschichten, die bei der Entwicklung nach Bedarf substrahiert werden. [...]
Ciba Noir inszeniert das Fotopapier Cibachrome mit seinen einmaligen Eigenschaften. Vor einer reflektierenden Silberschicht trägt Cibachrome (oder Ilfochrome) mehrere Farbschichten, die bei der Entwicklung nach Bedarf substrahiert werden. Bis zu seinem Produktionsende 2013 ermöglichte Cibachrome seit den 1960er Jahren hochwertige Fotografien höchster Haltbarkeit, Farbbrillanz und Bildtiefe. Ciba Noir zeigt das reine Material, belichtet, aber ohne chemische Entwicklung, alle möglichen Farben und Bilder bereits in sich tragend, seine unbestimmten Farbtöne, die viel tiefer wirken als Schwarz.

Ciba Noir showcases the Cibachrome photographic paper with its unique qualities. Here, in both Cibachrome and also Ilfochrome, a reflecting silver surface is covered with several layers of colours, which are subtracted as required during the photographic developing process. Up to 2013, when Cibachrome ceased production of the paper, it had, since the 1960s, enabled the creation of high-value photographs with top marks for durability, colour brilliancy and depth of focus. Ciba Noir shows the material as such, exposed to the light but without any chemical processing, carrying all colours and images already within itself, including those indefinite nuances that give the impression of being much darker than black.




(Photo hlrs- seminarraum: ralph klohs)
Die architekturbezogenen Setzungen von Harald F. Müller spiegeln Öffnung der Forschung

Die charakterisierende Gestaltung am HLRS entstand in einem jahrelangen Prozess: Harald F. Müller entwickelte das Farbkonzept in enger Zusammenarbeit mit den Architekten des Universitätsbauamts mit Fokus auf die künftigen Nutzer schon während der Bauphase.[...]
Höchstleistungsrechenzentrum

Bauabschnitt III


Die architekturbezogenen Setzungen von Harald F. Müller spiegeln Öffnung der Forschung


Die charakterisierende Gestaltung am HLRS entstand in einem jahrelangen Prozess: Harald F. Müller entwickelte das Farbkonzept in enger Zusammenarbeit mit den Architekten des Universitätsbauamts mit Fokus auf die künftigen Nutzer schon während der Bauphase. Kräftige Farben und glänzende Oberflächen tauchen die Gebäudeteile in unterschiedliches Licht, öffnen die Räume und zeigen irritierende Reflexionen. Sämtliche Farb- und Gestaltungselemente formulieren zugleich architektonischen wie inhaltlichen Ausdruck.
Mit dem neuen dritten Bauabschnitt öffnet sich die Forschung des HLRS der Öffentlichkeit und der Lehre. Wie auf den Wandflächen des ersten Bauabschnitts leuchtendes Pink mit der starker Farbwirkung und Reflexionen strahlt, ist der neue Gebäudeteil durch kräftiges lichtvolles Cyanblau charakterisiert. Vollflächig auf Wände aufgebracht, strahlt die Farbe über die Flure auf glänzend weiße Wände, die das auftreffende Licht reflektieren. Die kräftigen Farben gehen weit über ihre Wandflächen hinaus, verändern Raum und Nutzer, irritieren, wecken die Aufmerksamkeit. Der Seminarraum, der der Lehre als Öffnung der Forschung nach außen einen signifikanten Ort gibt, wurde mit blauen Glaswänden gefasst, die, mit der Mischung aus Kunst- und eintreffendem Tageslicht, Lichtsituation und Raumwirkung stetig verändern.
Visuell verbunden ist der neue Bauabschnitt mit den bisherigen Gebäudeteilen auch durch die Decke aus golden glänzenden Leisten, die sich durch das gesamte Gebäude zieht. Die regelmäßig durchbrochene Spiegelung erstreckt sich über den zurückversetzten Eingängen bis in den Außenraum. Die glänzende Decke holt viel natürliches Licht in das Gebäude und verbindet das Gebäudeinnere der Umgebung. Zugleich spiegelt die Decke den architektonischen Raum, die verhältnismäßig geringe Geschosshöhe wird optisch erweitert, indem sie der Wahrnehmung die Spiegelung des Bodens als oberen Raumabschluss anbietet - die eigentliche Raumhöhe von nur drei Metern geht in ein weitaus größeres Raumgefühl auf.Während in dem zweiten Innenhof mit einem langen glänzend goldenen Zylinder auf leuchtend grünem Kunstrasen Irritation und Reflexion grundsätzliche Themen der Forschung in Gestaltung umgesetzt wurden, kommt im dritten Atrium ein neuer Aspekt hinzu: Die mentale Öffnung wird explizit und in kulturgeschichtlichen Zusammenhang gestellt. Coup de dés - der Würfelwurf als Repräsentant des Zufalls. 1897 setzte Stéphane Mallarmé mit dem typografisch inszenierten Gedicht Un Coup de dés n'abolira jamais le hasard einen Meilenstein interdisziplinärer Kunst. Auf cyanblauem Tartangrund, der Schritte abfedert und Geräusche dämpft, liegen im neuen Innenhof des HLRS nun 14 weiße Betonkuben unterschiedlicher Größe in zufälliger Verteilung. Als korrespondierender Gegenpunkt zum Seminarraum bietet sich hier die Gelegenheit zu zwanglosem Austausch: die vier größten Würfel haben ideale Stehpulthöhe, die drei mittleren laden ein, sich an ihnen anzulehnen, die sieben kleinsten fungieren als Sitzwürfel.
Im Modell 1:100 als erster Wurf des Künstlers so gefallen, bilden die Kuben mit dem Zufall einen Faktor ab, der rechnerbasiert nur bedingt darstellbar ist. Im Zufall wirken alle die Wirklichkeit bestimmenden Faktoren zusammen, der Zufall bildet die Komplexität der Welt exemplarisch ab. Aufgrund der zwei Wasserabläufen geschuldeten Neigung des Untergrunds liegen die Kanten und Flächen der Kuben nicht perfekt im Wasser, wodurch die Bewegung der Positionsfindung und die Option unzähliger Varianten anklingen.
Wie das Gebäude selbst zeichnen sich auch die architekturbezogenen Setzungen von Harald F. Müller durch ihre Anschlussfähigkeit aus. Für diesen Ort, an dem steige Veränderung und Erweiterung immer schon mitgedacht werden und geistige Agilität unabdingbar ist, hat der Künstler Anschlusspunkte in Form zweier Ciba Bleu angedacht. In ihrer Materialität spannen diese Flächenkörper den Bogen zu Le Monde flottant, dem bis zur Abstraktion vergrößerten Bild auf Cibachrome transpartent, das als begehbare Bodenplatte im ersten Innenhof liegt. Die quadratischen hochglänzenden Flächen der Ciba Bleu fungieren zum einen als Schlusssteine, die die unterschiedlichen Elemente der architektonischen Gestaltung zusammenhalten, bilden zugleich aber konzeptuell die Grundsteine für neue Architekturen und stehen als visuelle Formulierungen des unerschöpflichen Potenzials aller möglichen Bilder (resp. Daten) für die Zukunftsfähigkeit des Höchstleistungsrechenzentrums. Als konzeptuelle Elemente einer architekturbezogenen Bildsprache sind auch die Ciba Bleu als Teil der Architektur zu verstehen - der faktischen wie einer gedanklichen Architektur, die Refexion, Beweglichkeit und Zukunftsfähigkeit impliziert.

Text: Ines Zahler

(Montage: Martin Merschroth)
Eine grüne Tafel schwebend vor dem Eingang des Kunstmuseums markiert den Eingang des Museums und öffnet die Ausstellungsräume in den Stadtraum - in Abstimmung mit der Stadt Singen hat Harald F. Müller im Auftrag des Kunstmuseums Singen eine Tafel entwickelt, die anstelle des bisherigen die gesamte Straße überspannenden Banners über einem Teil des Verkehrswegs vor dem Kunstmuseum schwebt.[...]
Eine grüne Tafel schwebend vor dem Eingang des Kunstmuseums markiert den Eingang des Museums und öffnet die Ausstellungsräume in den Stadtraum - in Abstimmung mit der Stadt Singen hat Harald F. Müller im Auftrag des Kunstmuseums Singen eine Tafel entwickelt, die anstelle des bisherigen die gesamte Straße überspannenden Banners über einem Teil des Verkehrswegs vor dem Kunstmuseum schwebt.

Mit seiner hervorragenden Infrastruktur hat sich Singen als Standort erfolgreicher Industrieunternehmen etabliert und steht für Zukunftsfähigkeit und Mobilität. Zugleich präsentiert sich die Stadt erfolgreich als Stadt der Kultur - signalrot sichtbar vor einer schwarzen Wand an der Feuerwache. Die Verbindung von Kunst und Mobilität ist die Klammer, die diese Arbeit mit dem sehr prominenten Werk SINGEN von Harald F. Müller verbindet, ihr ein Gegenstück zur Seite stellt und den Mobilität thematisierenden Ansatz auf ganz andere Weise aufgreift, um den Eingang des Kunstmuseums zu inszenieren.

Die Ausstellungsfläche und Kunstsammlung der Stadt Singen ist in den ersten drei Stockwerken des ehemaligen Hanse Hauses untergebracht. Die Fassade des Gebäudes wurde großflächig mit wolkig-himmelblauen Alucobond-Tafeln verkleidet, der Eingangsbereich ist unscheinbar, für ortsfremde Besucher nicht leicht auszumachen. Der Raum vor dem Kunstmuseum ist begrenzt, dem Besucher zeigt sich ein verwirrend vielteiliges Bild aus funktionalen Hinweisschildern. Straße, Parkraum und Gehweg vor dem Kunstmuseum sind mit allerlei nützlichen und notwendigen Objekten bestückt, hier würde ein Werk wenig Platz finden, vielleicht auch unangenehm störend wirken und vor allem in seiner Wirkung und der Wahrnehmung sehr eingeschränkt werden.

Daher soll über die Ekkehardstraße nun ein Werk gesetzt werden, das auf den Eingang des Museums verweist, indem es den freien Raum vor dem Museum mit dem Platz auf der anderen Straßenseite verbindet. Fast beiläufig setzt das Werk einen Signalpunkt, der die Aufmerksamkeit auf das Straßengeschehen nicht beeinträchtigt, vielmehr wird die vielteilige Straßensituation optisch beruhigt und erst auf den zweiten Blick irritiert. Verankert auf der dem Museum gegenüberliegenden Straßenseite, schwebt die Skulptur scheinbar über der Einbahnstraße, nimmt sich optisch zurück und lässt den Blick auf die dahinterliegende Kreuzung frei. Als homogene grüne Fläche ohne Aufschrift ist das Werk visuell ruhig und fügt sich angenehm in den Stadtraum.

Unser gesamtes Lebensumfeld ist geprägt von Schrift, sie ist auch im Stadtbild allgegenwärtig - dieses Werk braucht sie nicht. In vertrautem Grünton erobert die Tafel den Luftraum vor dem Kunstmuseum. Ohne es zu bezeichnen, verweist das prägnante Werk so auf das Kunstmuseum. Der ohnehin begrenzte Raum vor dem Museumseingang, wo die Platzierung einer Skulptur angedacht war, bleibt frei und öffnet das Museum zum Stadtraum hin.

Das weiß gerahmte grüne Rechteck bezieht sich zum einen verweisend auf das Museum mit seiner Bilderfülle, fungiert wie ein Green Screen als Platzhalter. Zugleich wird über die Form des Werks auch die Bedeutung der nahen Schweiz für Singen thematisiert. Das grüne Feld mit weißem Rahmen erinnert an ein Schild für lange Destinationen auf Schweizer Autobahnen. Gefertigt aus Singener Materialien Aluminium und Alucobond, betont das Werk außerdem den industriellen Reichtum Singens und grüßt durch seine Form mit einem freundlichen Augenzwinkern die Nachbarn jenseits der Grenze.

Wie die Stromtankstelle vor dem Kunstmuseum für neue Wege in der Mobilität steht, wird die visuell ruhig schwebende Skulptur für neue Wege in der Kunst stehen. Sie ist weder ein herkömmliches Hinweisschild noch eine traditionelle Skulptur. Als medial bespielbare Präsentationsfläche bietet sie sich für eine Erweiterung in den virtuellen Raum an und hat damit das Potenzial, Vorreiter zeitgemäßer Kommunikationskultur zu sein. Mit ruhiger kraftvoller Präsenz bündelt Diamond Grade die Aufmerksamkeit von Autofahrern wie Fußgängern mit ähnlicher Signalwirkung wie der vor 17 Jahren installierte SINGEN-Schriftzug - zukunftsfähig fortsetzbar.

Text: Ines Zahler

Bildmontage: Martin Merschroth

Université Paris-Saclay, Collaboration mit Gigon/Guyer, Architekten Zürich, Ansichten, Paris, Juni 2017


» Bâtiment «Francis Bouygues» Ecole CentraleSupélec Paris Saclay, France, 2017

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